EU-Projekttag

Gegenpol zum Populismus

In politisch schwierigen Zeiten ist es durchaus angebracht, auch einmal einen markanten Gegenpol zum Populismus zu setzen und Interesse für die europäische Idee zu wecken – so die Intention des EU-Projekttages 2017 am Berufskolleg des Märkischen Kreises, der auf Initiative von Michael F. J. Boeck, Geschäftsführer der Europa-Union Märkischer Kreis e.V. und Studiendirektor am Berufskolleg, zustande gekommen war und der einmal mehr in Diskussionen über Europa Schüler mit Politikern zusammenbringen sollte.

Keine Frage: Die Sympathiewerte für die Europäische Union sind eingebrochen, und immer lauter werden die Stimmen der Populisten, die als Folge der noch immer schwelenden griechischen Staatsschuldenkrise, des noch immer ungelösten Flüchtlingsproblems und des Brexit-Votums der Briten einer Renationalisierung das Wort reden.

Dass dieser von populistischen Parteien vorgeschlagene Weg aber nur in die Sackgasse führen kann, darauf machte Bernhard Ingelbach, Schulleiter des Berufskollegs des Märkischen Kreises in Iserlohn, in seinem Grußwort zum Beginn der Veranstaltung deutlich: „Es hat Vorteile, wenn sich die Staaten wie in der Europäischen Union zusammenschließen, denn die Probleme werden immer größer, und ein Staat kann die großen Probleme - wie beispielsweise die Flüchtlingsströme - nicht alleine lösen.“

Ausschließlich international gelöst werden könne in diesem Sinne auch nur das Problem des islamistischen Terrorismus, so Dr. Gabriele Schulte-Kurteshi, Vorsitzende der Europa-Union Märkischer Kreis e.V., in ihrer Anmoderation zum eigentlichen Hauptteil der Veranstaltung: „Die Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terrorismus ist ein ganz wichtiges Thema für Europa.“ Das zeige leide einmal mehr der jüngste mutmaßlich islamistische Anschlag mit mindestens 22 Toten in Manchester.

Wolle man sich aber ernsthaft im Sinne der europäischen Aufklärung mit dem islamistischen Terrorismus auseinandersetzen, dann müsse man auch konsequent die Frage stellen, ob der Islam zu Deutschland gehöre - so eröffnete Dr. Gabriele Schulte-Kurteshi dann die Diskussionsrunde zwischen Paul Ziemiak, dem Bundesvorsitzenden der Jungen Union, und Jenni Gröhlich vom Integrationsrat der Stadt Menden.

Dass eine Antwort auf diese gesellschaftliche Frage, die letztendlich schon Christian Wulff im Jahre 2010 angestoßen hatte, schwer zu finden ist, machte denn auch Paul Ziemiak deutlich: „Ich finde, die Aussage des ehemaligen Bundespräsidenten ist etwas unklar, weil nicht klar ist, was der Islam ist. Wenn ich in manche Moscheevereine gehe, dann kann ich sagen, das gehört zu Deutschland dazu. Aber bei anderen ist das nicht der Fall. Letztendlich gibt es nicht DEN Islam und DEN Moslem in Deutschland.“

Gegen jegliche Dämonisierung des Islams verwahrte sich auch Jenni Gröhlich: „Der Islam an sich ist nichts Böses. Der Glaube wird für den Terrorismus benutzt.“

Dass politische Debatten wie bei diesem bundesweiten Projekttag nicht zwangsläufig bei jedem zur Klärung der Sachverhalte beitragen, zeigte jedoch auch der kritische Einwurf zweier Schüler, die den Islam vom Westen an den Pranger gestellt sahen. Umso wichtiger, dass diese Debatten immer und immer wieder geführt werden.

Wie bereichernd der Blick über den nationalen Teller hinaus sein kann, zeigte dann zum Abschluss der Veranstaltung der Erfahrungsbericht von Jonas Odelga, Jona Henning und David Sojka, angehende „Industriekaufleute EU“ vom Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn, die während ihrer Ausbildung ein dreimonatiges Betriebspraktikum in Wales absolvierten.

Für flotte musikalische Performances zwischendurch hatten übrigens beim EU-Projekttag die jungen Schülerinnen der Klasse 6 von der Gesamtschule Menden gesorgt.

(Text und Fotos: Clas Möller)


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