„Unerwünscht"

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Autorenlesung der Brüder Sadinam

Kaum eine Frage treibt die deutsche Öffentlichkeit in den letzten Jahren so um wie die Flüchtlingsfrage, und fast täglich berichten die Medien von Flüchtlingsströmen über das Mittelmeer und die aktuell hohe Anzahl von Flüchtlingen. Dabei geht aber leider oft unter, wie man sich als Flüchtling fühlt.

Deshalb hatte auch Meinolf Remmert von der Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westliches Westfalen e.V. Masoud und Mojtaba Sadinam ins Forum des Berufskollegs dazu eingeladen, in Auszügen ihre Fluchtgeschichte aus ihrem autobiografischen Buch „Unerwünscht“ vorzutragen.

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Meinolf Remmert, Masoud und Mojtaba Sadinam, Andre Lümkemann

Eine bewegende Fluchtgeschichte, wie schnell aus dem Vortrag der beiden Zwillingsbrüder deutlich wurde: Flucht im Alter von 10-12 Jahren Hals über Kopf und mit Hilfe von Schleppern sowie gefälschten Pässen aus dem Iran, nachdem die Mutter bei einer verbotenen Flugblattaktion aufgeflogen war; Ankunft mit dem sprichwörtlichen einen Koffer im verregneten Westen Deutschlands, einem Land, dessen Kultur und Sprache der 4-köpfigen Familie aus dem Iran vollkommen unbekannt sind.

Kein einfacher Weg und eine schwierige Gefühlslage für die beiden Jungen, aber trotz allem machten die beiden ihren Weg. Mojtaba legte sein Abitur am Gymnasium in Lengerich sogar als Jahrgangsbester ab, danach nahmen beide ein Studium auf. Dass die Brüder Sadinam schließlich doch in Deutschland bleiben durften, war übrigens allein dem Zustand geschuldet, dass im Jahre 2005 die Asylgesetzgebung so geändert wurde, dass volljährige Kinder eines anerkannten Asylbewerbers nun eine Aufenthaltsberechtigung in Deutschland bekamen.

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Klar, über diese beeindruckende Geschichte der Integration wollten die im Forum versammelten angehenden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen aus der Abteilung Gesundheit und Soziales in der anschließenden Fragestunde auch mehr von den beiden Autoren wissen.

Hat vielleicht auch ihr Buch dazu beigetragen, dass die beiden hier schließlich so gut Fuß fassen konnten? „Ich glaube schon, dass es was mit bringt, mit einem eigenen Buch die Vergangenheit aufzuarbeiten und eine gewisse Distanz zu schaffen“, so beantwortete Masoud die Frage aus dem Publikum und fügte hinzu, dass man sich ansonsten leicht als Opfer fühle: „Aus der Schwächephase der Flucht ist letztendlich eine Stärke geworden. Für uns hatte das Buch in erster Linie aber keinen therapeutischen Zweck“, so Masoud Sadinam. Und wie sehen die beiden ihre Zukunft? „Das Leben ist komplexer als nur die Rolle, Flüchtling gewesen zu sein. Jetzt geht es darum, unser Start-Up in der IT-Branche am Laufen zu halten“, erklärte Mojtaba Sadinam.

Und mit Blick auf die große Politik fügte Masoud Sadinam hinzu: „Wir leben in einer globalen Welt. Aber warum hält man die nationalen Grenzen so hoch, wenn es um die Menschen geht?“ Interessante Fragestellungen, die die interessierte Schülerschaft übrigens auch noch nach dem Pausengong im Gespräch mit den Autoren beantwortet wissen wollte.

(Text und Fotos: Clas Möller)